Die verlorene Generation

„Heute versteht man unter diesem Begriff die Generation all jener Männer, die einst 1914 Fahnen schwingend und beseelt vom blinden Patriotismus, oder wie auch Ernst Jünger damals, aus reiner Abenteuerlust diesen Krieg geradezu herbeisehnten um schnellst möglich von der Schulbank flüchtend zur Front zu eilen. 

Selbst die sozialkritische Künstlerin und spätere Pazifistin Käthe Kollwitz unterstützte ihren Sohn in seinem verblendetem Verlangen, gegen den ausdrücklichen Willen des deutlich weitsichtigeren Vaters, an diesem großen „Abenteuer“ teilhaben zu wollen. Am Ende hat sie es wohl bitterlich bereut, wie Millionen andere auch. 

Jene, die dieses Inferno, die jahrelangen unmenschlichen Grabenkämpfe und Materialschlachten wie durch ein Wunder überlebten, kamen an Leib und Seele verstümmelt zurück, waren kaum mehr fähig ein normales Leben zu führen und in den seltensten Fällen zu reintegrieren in eine Gesellschaft, die nach den langen Kriegsjahren vor allem nur eins wollte: Vergessen und Vergnügen. 

Und auch die ehemaligen Helden der Nation ertränkten ihre inneren Wunden in Alkohol und Drogen. Die alte Welt und dessen Ordnung war hinweggefegt, die einstigen moralischen Werte außer Kraft gesetzt.

Laut Ernest Hemingway wurde der Begriff „Die verlorene Generation“ von Gertrude Stein geprägt. In seinem Buch „Paris – Ein Fest fürs Leben“ beschreibt er, dass sie sich beim Besitzer einer Werkstatt über einen Autoschlosser beschwerte, woraufhin der Chef seinem Angestellten, einem jungen Kriegsheimkehrer, bescheinigte: „Ihr seid alle eine verlorene Generation“. 

Gertrude Stein wandte den Begriff gegenüber Hemingway von nun an auf alle Kriegsteilnehmer an („You are all a lost generation“), die allesamt respektlos seien und viel zu viel tränken. Natürlich bestätigt dieser von Hemingway beschriebene Einzelfall die große Problematik der damaligen Kriegsheimkehrer hinsichtlich der Rückeingliederung in das zivile Leben, zeigt aber auch andererseits die große Apathie der Nachkriegsgesellschaften sich mit diesem Thema überhaupt zu beschäftigen, jene Verlorenen zu verstehen, helfen zu wollen, geschweige denn überhaupt zu können.“

Andreas Noßmann, Jg. 1962 in Hilden, lebt und arbeitet als Künstler, Dozent und freier Zeichner in Brühl bei Köln. Er studierte in Wuppertal Industrie Design, später Kommunikationsdesign mit den Schwerpunkten Freie Grafik sowie Gestaltungstheorie und Ästhetik. Zeichnen ist seine Passion, Portraits beherrscht er ebenso wie Illustration, Landschaften, Stilleben oder Karikatur. Er ist klassischer Zeichner ebenso wie Portraitist. Seit 30 Jahren stellt er in Einzel- und Gruppenausstellungen in Deutschland und Europa aus und realisiert Buch- und Katalogprojekte.

Ausstellung: 4. September bis 9. Oktober 2020
Öffnungszeiten: Di 10-13, Do 17-19, So 10-15 Uhr und nach Vereinbarung
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